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21.02.2005
Mal was für echte Technik/computerfreaks!…

Bielefeld-Berlin, ICE 565 Speisesaal.
Der Typ vor mir ist bestimmt Skater. dieser verfranste US-Army Rucksack lässig auf der Schulter baumelnd, die schnittige Matrix Sonnenbrille und nicht zuletzt der obligatorische mikrohöhrer im Ohr - Skater, keine Frage.

Von vorne schlängelt sich elegant ein BWL Student auf die letzten verbleibenden Sitzplätze im Restaurantabteil, „es wird Zeit“ denke ich, schwinge mich auf den Platz gegenüber und komplettiere damit eine illustre Viererrunde.

„Nummer 1“ war offenbar schon eine ganze Weile hier. Der Typ saß in der Ecke am Fenster als ob die Konstrukteure den Zug quasi um ihn rumgebaut hätten.
„Mein Haus - mein Auto - mein Platz im Bordbistro“ – ein Jungdynamiker der mit seinem schmucken VAIO Subnotebook vermutlich das Bremssystem des Triebwagens mitsteuert.

Das muss sich auch der BWL Student gesagt haben, und sofort nimmt er die Herausforderung an: Genüsslich zieht er ein kleines, unübersehbar weiss strahlendes Wunderwerk des mobile computing aus seinem Ledercase:
ein Apple I-Book. Zack! Das sass!

In Sachen HIPP-Faktor sind die Apfel-Stückchen einfach immer noch vorneweg – das weiß auch der Jungdynamiker in der Ecke, doch noch bevor er dieser offensichtlichen Herausforderung gebührend begegnen kann, zaubert der Skater völlig überraschend einen schmucken Laptop aus seinem „heavy used“ Rucksack.
CENTRINO TECNOLOGY, der Aufkleber ist nicht zu übersehen, und der kurze Apple Triumph des BWL Studenten kapituliert unter der Übermacht von 6 Std. Rechenleistung ohne Stromnetz

Zeit für meine Grafikoffensive denke ich, und nutze die kurze Verwirrung meiner Mitreisenden um meinen -zugegeben etwas klobigen- Targa Visionary XP auf den Tisch zu plazieren – OK, gegen den flachen Centrino, das kleine VAIO, und das hippe I-book zwar eher was für Grobmotoriker, aber dafür mit extrem schneller ATI RADEON 9700 MOBILE Grafikchip on board!
Natürlich habe auch ich den Aufkleber mit diesem beeindruckendem Leistungsmerkmal gehegt und gepfegt, und es ist mir ein Leichtes Den Laptop scheinbar zufällig so zu plazieren das man den ATI RADEON 9700 MOBILE Aufkleber gar nicht übersehen kann.

Stille.
Die vier Rechner stehen sich gefährlich surrend gegenüber, ein imposantes Spiel der gegenseitigen Einschüchterung.

Als erstes erwacht der Skater aus der Waffenstarre und zieht -zum Entsetzen des Jungdynamikers- einen schnittig kleinen MP3 Player aus seinem offenbar füllhornartigem Rucksack.
512 MB, glitzert der Hologrammaufkleber - ganz nett, aber das ist zu schaffen denke ich, und ziehe süffisant lächelnd meinen kleinen USB-MP3 Stick aus der Jackentasche – nun macht es sich bezahlt das ich erst letzte Woche im Mediamarkt einen „1GIGABYTE“ Aufkleber mühevoll von einem Fremdgerät geknibbelt, und diesen auf meinen schwächlichen 256 MB Stick geklebt habe.

Speicher rulez – doch habe ich nicht mit dem Scheckbuch vom Daddy des BWL Studenten gerechnet, denn dieser hat sich unbeirrt mit einem kleinen I-POD in Stellung gebracht, und bedroht mit satten 30 Gigabyte Harddisk den gesamten Tisch der westlichen Hemispäre.

Natürlich ein nicht hinnehmbarer Zustand für den Platzhirsch im Ecksitz:
Nummer eins kontert mit high tech: Geschäftig wirkend tickert der Jungdynamiker mit einem kleinen Plastikstäbchen auf dem Display eines PALM5 PDAs, ganz so als plane er gerade die strategisch/technologische Vernichtung aller Apple Jünger.

Der weiss sich aber zu wehren, und flankiert seine Apfelbrigade mit einem Siemens Handy der neusten Generation - was den Skater wiederum dazu veranlasst Nokias Vormachtstellung im Handymarkt mit einem eindrucksvoll blinkenden Stylehandy zu verteidigen.

Ich weiss das ich mit meinem fast 6 Monate alten Samsung nur noch Schadensbegrenzung betreiben kann, und versuche dieses Manko durch den Start eines grafisch auffwendigem Schooter Game auf meinem Targa Visionary XP mit ATI 9700 mobile Grafik auszugleichen.

Auch der BWL Student fährt hastig das System seines I-Pods hoch, und verbindet diesen augenscheinlich mit seinem Motorolla Handy, bei dem Skater ist die Lage etwas unklar, scheinbar hat der Centrino den Bildschirm aus stromspargründen deaktiviert.

in dieser Situation öffnet sich die Abteiltür und ein Claudia Schiffer Double schwebt ins Bistro, und haucht in den Raum die Frage nach der Uhrzeit.

Ich versuche hastig das verdammte scheissspiel auf dem Rechner zu beenden, und klicke mich wahhlos durch die grafisch auffwendige aber leider sehr zeitraubende Steuerrung, der Skater hat Mühe seinen Centrino aus dem Dornrößchenschlaf zu holen, der Apple Jünger hat sich offenbar in diversen Untermenues verklickt und dem Palm Besitzer scheinen noch nicht alle Funktionen seines PDAs ins Blut übergegangen zu sein.

„Scheisse“ denken wir vier wohl gleichzeitig, und greifen fast zeitgleich zu den ultimativen Uhrzeitanzeiger: Unseren Handys – angesichts der Schönheit des Mädels im Gang habe ich ein wenig feuchte Hände und bekomme dieses verfluchte klapphandy nicht gleich beim ersten mal auf – verloren, denke ich, als ich ein freundliches „15 UHR 46“ vernehme.

Völlig erstaunt drehe ich mich -syncron mit meinen drei Tischnachbarn- in Richtung der alten Dame am Tisch gegenüber die lustig grinsend auf ihrer alten analog Armbanduhr einfach nur die Zeit ablas.....

„Danke“ lächelt das blondgelockte Model der alten Dame entgegen, und verlässt ohne uns eines weiteren Blickes zu würdigen den Raum.....

"Wow", denke ich "Was für eine abgefahrene Idee: Eine Uhr am Handgelenk. Aber Andererseits: wieviel Speicher soll da schon reingehen...."


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