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12.04.2005
schwer verwundet & stark verwundert.…

es erinnert irgendwie einwenig wie aus einem Tagebuch in einem Strafgefangenenlager in nordvietnam:
Noch weit vor dem Morgengrauen stürmen die beiden hell Uniformierten Aufseherinnen lauthals rufend und gestikulierend in die karge kleine Räumlichkeit, welche von nun an wohl für unbestimmte Zeit sein Gefängnis sein würde.

Der Mann war sichtlich schwer verletzt, durch eine scheinbar notdüftig verbundene Wunde am Bein sickerte sein Blut langsam wie in Zeitlupe durch einen kleinen Plastikschlauch in ein durchsichtiges Auffangglas - immer gerade so postiert, das der Mann es nie aus den Augen verlieren konnte!
Was für eine höchst abscheuliche, äusserst perfide Art der psychischen Folter:
Seinen eigenen Lebenssaft quälend langsam aus dem Körper rinnen sehen zu müssen.

In seinen Händen steckten kleine Nadeln durch welche ein Drogenkocktail nach dem anderen in seine Venen gepumt wurde, sie machten ihn völlig benommen, und unfähig einen klaren Gedanken zu fassen.
Sein linker Unterschenkel brannte wie Feuer, er spürte, dass er erst vor wenigen Stunden mit scharfen Messern malträtiert wurde, und nur verschwommen konnte er erkennen das sein gesamtes Bein vom Knie abwärts blutrot leuchtete.

Dann verlor er erneut das Bewusstsein und viel in einen unruhigen Schlaf......

Tja, was soll ich sagen: Der erste Tag nach der OP ist nun überstanden, der wiederliche Wundschlauch gezogen, und am Tropf hänge ich nun auch nicht mehr - nur die Schwestern lassen es sich partout nicht abgewöhnen, schon mitten in der Nacht das Frühstück zu servieren.

Wie man morgens um 6:30 einen Raum fröhlich strahlend mit einem lauten "GUTEN MORGEN" betreten kann, bleibt mir für immer ein Rätsel - das mein Blutdruck und Puls um diese Zeit überhaupt schon messbare Werte liefert, überrascht mich ja schon als solches - bisher bin ich immer davon ausgegangen das ich vor 9:00 in einem Stadium verharre, welches der Leichenstarre bedenklich nahe kommt.

Ein wenig enttäuscht war ich darüber das ich KEINE 200 ml Lidokain bekommen habe - das bekommt nun wirklich JEDER Patient in JEDER ernstzunehmenden TV-Artztserie...

Auch mein Hinweis auf eine private Zusatzversicherung ändern nichts an dieser strikten Verweigerungshaltung, stattdessen ist meine Essenskarte nun nicht mehr kassenpatientengelb, sondern privatversichert-grün, was den oft unterschätzten Vorteil birgt, das ich nun auch Pflaumenmarmelade als Wunschaufstrich fürs Frühstück wählen kann!

Es lohnt sich also Privatpatient zu sein.

Etwas verwirrend sind die Mahlzeiten benannt:
Der Brunch wird wie gewohnt um 11:30 serviert, heisst hier aber MITTAGESSEN, dafür gibt's gegen Mittag dann nen Kaffee, und das Abendbrot hat man schon vor dem Sandmännchen vollständig verdaut.

Mit den bunten Medikamentenknabbereien auf dem Nachttischchen bekämpfe ich dann immer den kleinen Hunger ab 20:00 Uhr, das hat auch den Vorteil, dass meine Träume viel lebensferner und actiongeladener sind als sonst. (ich kann flieeeeeegen!)

So long also, und an dieser Stelle natürlich noch meinen aufrichtigen Dank an alle Schwestern und Pfleger der gynäkologischen Station - und fragt mich nun bitte nicht warum ich auf gerade DIESER Station ein Zimmer hatte, mich hat es jedenfalls erst einmal veranlasst doch mal über eine Diät nachzudenken.

servus,
Oliver

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