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06.03.2006
Schneetreiben....…

Was waren das noch für Winter in den Achtzigern, ich erinnere mich inzwischen mit Wehnmut an die "gute alte Zeit" wo ich als älterster Sohn die ehrevolle Aufgabe innehatte, den Gehweg vorm Haus noch vor der Schule freizuschaufeln.

So bin ich also an jedem Schneetag raus, und habe - morgens um 6:30 - noch im Halbschlaf, die weiße Pracht vom Gehsteig gefegt und geschaufelt.
Ja früher...

Heute denke ich inzwischen mit Sehnsucht an die gute alte Zeit.
An eine Zeit, als man sich beim Freischaufeln noch auf die Gehwege beschränken konnte, denn heute ist das natürlich Alles anders:


Heiner Kasulke, mein Nachbar aus Haus 4 fegt - alarmiert durch die desaströsen Nachrichten über Einstürzende Dächer - seit 3 Wochen neben dem Gehweg auch sein komplettes Hausdach morgens zwischen 5:30 und 8:00 Uhr ab, Nachbar Werner Hagenstroth ist da schon auf einem technisch höherem Niveau und fackelt mitten in der Nacht mittels Gasstrahler den Schnee vom Dach seiner Gartenlaube, wärend gegenüber Irene K. versucht, im Fahrzeugschein ihres neuen Vans dessen maximale Dachlast herauszufinden.


Seit in unserem Land zunächst die Strommasten, dann aber auch die Dächer reihenweise unter den glitzernden Flocken ins Parterre rauschten, scheint blanke Panik vor jeder Flocke Schnee die Menschen zu ergreifen.


Und Niemand scheint vor dieser "Schneephobie" gefeit zu sein:
keine 3 Häuser weiter runter hat sich Horst Wulke -seines Zeichens leidenschaftlicher Amateurfunker- eine 4000 Watt Lautsprecheranlage auf seinen Pickup montiert und fährt nun 3 mal täglich Patroullie um mittels Megaphon die aktuellen Schneewetterwarnungen durch die gesamte Wohnsiedlung zu brüllen.


Da es in unserer Region nicht wirklich übermässig schneit, man aber dennoch zeigen möchte das man allzeit bereit ist, gilt offenbar alles ab 0,1 cm Schneefall als Grund den allgemeinen Katastrophenalarm auszulösen.


Elsbeth Niehöfer, eine resolute Hausfrau aus dem Reihenhaus am Ende der Strasse, spricht offen aus was viele andere nur denken:
Der Schnee ist doch vermutlich auch nur wieder so ein fieser Trick der Islamisten, die haben irgendwie dafür gesorgt das unschuldige christliche Dächer einstürzen - besonders im Verdacht hat Sie Familie Thanayalil aus der Dompkampstrasse - die sind zwar keine Muslime sondern Hindus, aber wer achtet bei dem der allgemeinen Schneetreiben schon noch auf solche Details.


Letzten Freitag habe ich mal den Fehler gemacht und bin in eine muntere Diskussion zwischen Elsbeth und dem Philosophiestudenten Horst Winkler asus Haus 44 geraten:


Gegen Elsbet's Terrorschneetheorie, setzte er eine gewaltige Manipulation des globalen Temperaturniveaus durch die Amerikaner, die das nur machen, um von Ihrem ebenso gewaltigen Haushaltsdefizit abzulenken.


Aus dieser Diskussion kam ich nur unbeschadet raus, als ich zu bedenken gab, das ich persönlich den Schnee eigentlich eher für den Überträger der Vogelgrippe halte - Schnee ist schliesslich ein globales Phänomen (wenn man die Sahahra und die restlichen knapp 50% Landfläche ohne schneefall mal aussen vor lässt)
Meine Vogelgrippetheorie schlug ein wie eine Bombe:


Noch im Weggehen hörte ich wie Elsbeth versuchte, den Islam noch irgendwie mit in die Grippegeschichte mit einzustricken...


Das Ganze wird dann immer noch getoppt durch Sabine P. aus dem Holzhaus in der Egergasse, die als begnadete Zeichnerin dem Ganzen dann auch noch die entsprechende Bildsprache zuordnet:

Heute morgen verteilte Sie Flugblätter mit 12 Karrikaturen wie Mohammed grad Frau Holle poppt.


Gegen 3:15 heute morgen, riss mich ein Sturmklingeln aus der Nachtruhe, und als ich die Tür öffnete stand da mit rot verheulten Augen Irene K. (die mit dem Van): "50 Kilo sei die Maximale Dachlast, das steht schwarz auf Weiss in ihren KFZ papieren, und ob ich denn wohl mal im Internet recherchieren könne, mit wieviel Kilogramm man denn so je Flocke Schnee rechnen müsse, 50 Kilo sei jedenfalls nicht viel, das dürfen ja noch nicht mal erfolgreiche Models wiegen..."


Auch wenn sich die Lage inzwischen wieder entspannt hat, denke ich ernstlich über einen erneuten Ortswechsel nach - auf Rügen sollen ja gerade die Preise für Bauland ins Bodenlose stürzen....hm.....ob ich mich da mal umsehe?

Frühlingserhoffende Wünsche,
OLiver Beerhenke



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